Schwerhörigkeit: Diagnose
Schallleitungsschwerhörigkeit
Ursachen
- Gehörgangsverschlüsse (Zeruminalpfropf – häufigste Ursache akuter Hörverschlechterung, Fremdkörper, Exostosen, Otitis externa mit starker Schuppen- und Sekretbildung)
- akuter Tubenkatarrh (oft mit Geräuschkomponente)
- Mittelohrerkrankung (akute und chronische Otitis media, Mittelohrerguss)
- Defekte des Trommelfells oder der Gehörknöchelchen (Narben, Verwachsungen, Frakturen, Luxationen)
- Otosklerose: knöcherne Fixierung der Steigbügelplatte (nach Jahren auch Innenohrschwerhörigkeit), oft subjektive Ohrgeräusche
Symptome
Übertragung vorwiegend der tiefen Frequenzen zum Cortischen Organ gestört (A-, O-, U-Laute). Oft subjektive, tiefe, niederfrequente Ohrgeräusche.
Untersuchungsbefund
- Klingende a1-Stimmgabel (440Hz), auf die Kopfmitte gesetzt, wird in das kranke Ohr lateralisiert (Weber-Versuch)
- Rinne-Versuch negativ (Rinne negativ: Bei Schallleitungsschwerhörigkeit wird die klingende a1-Stimmgabel über die Knochenleitung länger gehört als über Luftleitung; Rinne positiv: Die klingende a1-Stimmgabel wird normalerweise, und in abgeschwächter Form auch bei Schallempfindungsschwerhörigkeit, über Luftleitung etwa doppelt so lange gehört wie über Knochenleitung)
- Im Tonaudiogramm: bei guter Knochenleitung Verschlechterung der Luftleitungskurve
Schallempfindungsschwerhörigkeit
Innenohr-, Labyrinth-, Nervenschwerhörigkeit. Defekt im Bereich des Cortischen Organs, des Ganglion spirale oder weiter zentral.
Merke
Bei einseitiger, progredienter Innenohrschwerhörigkeit sollte immer ein Akustikusneurinom ausgeschlossen werden. Die Früherkennung des Akustikusneurinoms ermöglicht es, durch moderne Therapieverfahren (Operation, Gamma-Knife) teilweise das Gehör zu erhalten, ebenso die Funktion der anderen benachbarten Hirnnerven (Symptome: langsamer Hörverlust, Ohrensausen, wenig Schwindelbeschwerden, schleichender Verlauf).
Diagnostik
- Audiometrie einschließlich Fowler-Test (Recruitment)
- Ableitung akustisch evozierter Hirnstammpotenziale
- MRT, ggf. CT
Differenzialdiagnose der Schallempfindungsschwerhörigkeit

Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis)
Definition
Verminderung der Wahrnehmung hoher Töne und der Wortverständlichkeit im Alter
Ursachen
Summation vielfältiger während des Lebens das Innenohr treffender Noxen: Kreislauf- und Stoffwechselstörungen, Toxine, Traumen, Lärm etc.
Hereditäre und frühkindlich erworbene Innenohrschwerhörigkeit
Rezessiv erblich, bereits beim Kind auftretend, selten vergesellschaftet mit Retinitis pigmentosa, Vestibularisstörungen oder Schwachsinn; frühkindlich erworben als Folge pränataler Infektionskrankheiten (Rubeola, Lues), einer Asphyxie während der Geburt oder einer Blutgruppenunverträglichkeit (Rh- oder ABO-Erythroblastose)
Dominant erbliche progressive Innenohrschwerhörigkeit
Häufig leicht beginnend, erst im höheren Alter zunehmend, kann bis zur Taubheit führen
Lärmschwerhörigkeit
Abhängig von Intensität, Frequenz und Einwirkungsdauer des Lärms. Seitengleiche Schäden im Hochtonbereich, anfangs meist in Form einer C5-Senke, in fortgeschrittenem Stadium Steilabfall der Hörkurve im Hochtonbereich (als Berufskrankheit meldepflichtig). Akute Schalltraumen (starker Schall, Düsenmaschinen) und akute Knall- und Explosionstraumen bewirken oft einen Steilabfall der Hörkurve in höheren Frequenzen (Seitendifferenz).
Infekte
Fortgeleitete Entzündungen (Otitis media, Labyrinthitis, Meningitis), Lues, Tbc, Parotitis epidemica, Masern, Röteln, Diphtherie, Scharlach, Zoster oticus
Toxische Schäden
Chinin, Aminoglykosidantibiotika, Zytostatika (Cisplatin) u.a.
Diagnostischer Stufenplan: Schwerhörigkeit
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Anamnese
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Otoskopie
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↓
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Epipharyngoskopie
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↓
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Audiometrie
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↓
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Vestibulometrie
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↓
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MRT, CT
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Hörsturz
Definition
Akute medizinische Notfallsituation, charakterisiert durch plötzlich einsetzende, einseitige Hörminderung.
Ursachen
- Virusinfekte
- Stress
- Hypotonie
- Hypothyreose
- Diabetische Angiopathie
- Arteriosklerose und alle arteriellen Verschlusskrankheiten
- Toxisch-allergische Faktoren
- Degenerative HWS-Schäden
- Autoimmunerkrankung (Cogan-Syndrom)
- Endogener Innenohrschaden
- AIDS
- Häufig auch kein erkennbarer Anlass
Symptome
Als Prodromi treten meist einseitiges Druckgefühl im betroffenen Ohr und ein einseitiger, meist heftiger, hochfrequenter Tinnitus auf. Schwindel und andere relevante neurologisch-ophthalmologische Begleitsymptome fehlen in der Regel (idiopathischer Hörsturz).
Diagnostik
Plötzlich einsetzende Schallempfindungsschwerhörigkeit, im Tonaudiogramm vorwiegend auf die hohen und mittleren Frequenzen beschränkt, manchmal auch pancochleär bis zur Ertaubung. Stimmgabelprüfung: Rinne-Versuch positiv, Weber-Versuch in das gesunde Ohr lateralisiert.
Merke: Bei Verdacht auf Hörsturz sofortige Überweisung zum Facharzt!
Verlauf
Von entscheidender Bedeutung ist die möglichst frühzeitige Diagnose, weil die Heilungschancen von den umgehend einsetzenden therapeutischen Maßnahmen abhängig sind. Spontanremissionen oft. Mit Rezidiven muss gerechnet werden.
Tinnitus (Ohrensausen)
Mittelohrbedingt
Ursachen
Zerumen, Exsudate, Entzündungen, Otosklerose, Tubenverschluss, Glomustumor (pulsierend)
Symptome
dunkles Brummen, Rauschen, Summen, Sausen
Innenohrbedingt
Der subjektive hochfrequente Tinnitus stellt ein weit verbreitetes Symptom unterschiedlicher Ätiologie dar, dessen Pathophysiologie bisher nur fragmentarisch geklärt ist. Bis auf wenige Ausnahmen keine diagnostische Objektivierung möglich; therapeutisch Crux medicorum.
Ursachen
- Knall-, Schall-, chronische Lärmtraumen, Schädel-Hirn-Traumen, M. Ménière, Hörsturz, Akustikusneurinom, Kleinhirn-Brückenwinkel-Tumor
- Degenerative Erkrankungen des ZNS und Innenohres
- Presbyakusis
- Intoxikationen (Alkohol, Nikotin, Azetylsalizylsäure, Diuretika, Aminoglykoside, Zytostatika und viele andere Arzneimittel)
- Stoffwechselerkrankungen (Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen, Hypothyreosen, Avitaminosen)
- Nierenerkrankungen
- Durchblutungsstörungen (Hypertonie, Hypotonie, vertebrobasiliäre Insuffizienz, z. B. bei HWS-Syndrom)
Symptome
Hochfrequentes Pfeifen, Zischen, Klingen









